Österreichische Parlament rollt Lehrlingen den Roten Teppich aus

18 Lehrlinge der Wiener Stadtwerke waren die allerersten Gäste beim Lehrlingsforum der Demokratiewerkstatt im Palais Epstein. Auf dem Programm standen spannende Workshops und Diskussionen mit Parlamentsabgeordneten.

 

Wir rollen den Roten Teppich für Lehrlinge aus, hieß es  in der Demokratiewerkstatt des Parlaments: Nationalratspräsidentin Doris Bures präsentierte mit dem Lehrlingsforum ein neues Bildungsangebot, das sich speziell an junge Menschen in der Lehrausbildung richtet. Als Premierengäste begrüßte Bures im Palais Epstein 18 Lehrlinge der Wiener Stadtwerke - und zwar so, wie es normalerweise nur Staatsgästen widerfährt.

Der Grund für den Empfang auf dem Roten Teppich: "Als ich vor etwas mehr als einem Jahr Nationalratspräsidentin geworden bin, habe ich in diesem Haus viele tolle Einrichtungen kennengelernt. Eine davon war die Demokratiewerkstatt. Aber etwas hat gefehlt - und das waren Sie“, so die Hausherrin zu ihren jungen Gästen. Die Gruppe der Lehrlinge habe in der Vergangenheit zu wenig von den Bildungsangeboten des Parlaments profitiert.

Maßgeschneidertes Programm soll Interesse wecken

Das auf Initiative der Nationalratspräsidentin geschaffene Forum will Interesse an Politik wecken und vermitteln, wie wichtig die Beteiligung an demokratischen Prozessen ist. "Wenn Sie sich nicht einbringen, dann bestimmen andere über Sie und Ihre Lebenschancen. Es wäre schön, wenn das Lehrlingsforum für Sie ein Anfang ist, sich verstärkt mit Politik und dem Wert von Demokratie auseinanderzusetzen“, so Bures.

Das neue Programm soll direkt an der Erfahrungswelt der Lehrlinge ansetzen. Aus diesem Grund wurden die einzelnen Workshops in Kooperation mit der Bundesjugendvertretung gestaltet. Rund 1.000 junge Menschen aus ganz Österreich sollen von nun an jährlich ins Lehrlingsforum der Demokratiewerkstatt kommen, lautet das Ziel.

Politische Bildung als zentrales Thema für Jugendliche

Vorstandsdirektorin Gabriele Domschitz, die die Lehrlinge begleitete, zeigte sich vom neuen Format überzeugt: „Ich freue mich sehr, dass das Lehrlingsforum der Demokratiewerkstatt mit den Lehrlingen der Wiener Stadtwerke eröffnet wurde. Ich sehe das Thema politische Bildung als ein sehr wesentliches für junge Menschen an. Heute wurde unseren Lehrlingen auch aufgezeigt, dass es wichtig ist, die eigenen demokratischen Rechte wahrzunehmen. Ich danke allen Lehrlingen, die am Forum teilgenommen haben, für ihr Engagement.“

Dieses Engagement zeigten die Lehrlinge in verschiedenen Workshops, in denen intensiv gearbeitet und teils leidenschaftlich diskutiert wurde: „In unserer Gruppe haben wir uns gefragt, ob wir auch die nötigen Informationen haben, um uns eine fundierte Meinung bilden zu können, und wie wir zu den richtigen Informationen kommen können“, berichtete Karim Nanaei, Bürokaufmannlehrling bei den Wiener Linien.

Auch für Melissa Geitzenauer, Industriekauffrau-Lehrling bei Wien Energie, war Information ein wichtiges Thema: „Sehr spannend war es, zu erfahren, wann Abgeordnete Informationen geheim halten müssen, wann sie damit an die Öffentlichkeit gehen dürfen und wie diese Informationen dann zu den Bürgerinnen und Bürgern kommen.“

Maschinenbautechnik-Lehrling Dominic Bacher wiederum fand den von Präsidentin Bures vorgestellten Lehrlings-Blog www.lehrlingsforum.parlament.at besonders interessant: „Ich werde mir den Blog auf alle Fälle ansehen, weil es dort echt sehr informative Sachen zu lesen gibt. Wir haben auch schon gemeinsam einen Blog-Eintrag gestaltet. Ich glaube, dass man damit viele Jugendliche erreichen kann.“

Gespräche mit Abgeordneten als besonderes Highlight

Höhepunkt des ersten Lehrlingsforums waren für die meisten Stadtwerke-Lehrlinge die Gesprächsrunden mit den teilnehmenden Parlamentsabgeordneten. Estref Ajdari, Lehrling für Elektrotechnik/Anlagen- und Betriebstechnik bei Wien Energie: „Wir konnten unsere Meinungen äußern und vieles fragen. Zum Beispiel, wie die Balance zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern funktioniert. Ich finde die Veranstaltung wirklich gelungen.“

Einprägsam war für viele das persönliche Kennenlernen. So auch für Karim Nanaei: „Es war toll, die Politiker kennen zu lernen und mit ihnen ein Gespräch zu führen. Einmal zu sehen, wie das bei ihnen wirklich abläuft. Und ja, die sind echt sympathisch - so wie ich mir das eigentlich auch vorgestellt habe."