Neu Leopoldau als Musterbeispiel für Nachnutzung von Industriearealen


Das Wohnprojekt Neu Leopoldau ist ein Musterbeispiel für die gelungene Nachnutzung ehemaliger Industrieareale im Wiener Stadtgebiet. Auf diese Formel brachte Peter Weinelt, Generaldirektor-Stv. der Wiener Stadtwerke, die Anstrengungen, das Areal des ehemaligen Gaswerks Leopoldau in einen neuen Stadtteil mit 1.400 Wohnungen zu verwandeln.

Dass das Gebiet zukünftig sicher genutzt werden kann, bestätigt auch das Umweltbundesamt. Der stv. Geschäftsführer des Umweltbundesamts, Karl Kienzl, präsentierte in einem gemeinsamen Hintergrundgespräch mit Weinelt die Untersuchungsergebnisse. „Mit diesem Projekt leistet Wien absolute Pionierarbeit. Aus dem ehemaligen Industrieareal Gaswerk Leopoldau wurde in jahrelanger Arbeit die Grundlage für ein durch und durch lebenswertes junges Stadtgebiet geschaffen, die Wohnzukunft vieler Familien und junger Menschen“, so Weinelt.

Die hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards die beim Projekt Neu Leopoldau angelegt wurden, könnten zum künftigen Standard für vergleichbare Projekte in ganz Österreich werden. Aktuell hat auch der Stadtrechnungshof den Planungsprozess Neu Leopoldau geprüft, die Ergebnisse liegen in Kürze vor.

1.400 Wohnungen: Leistbarer Wohnraum für die wachsende Stadt

Historische Industrieareale in der Stadt als Lebensraum wiederzugewinnen, ist vor allem für eine stark wachsende Metropole wie Wien eine wichtige Aufgabe. In Neu Leopoldau ist es gelungen, im Rahmen eines gesamtheitlichen Planungsansatzes das Potenzial einer der größten Industriebrachen der Stadt für die Entwicklung eines neuen Stadtteils zu nutzen.

Auf einer Teilfläche von rund 13,5 Hektar am insgesamt 42 Hektar großen Areal des ehemaligen Gaswerks entsteht in den kommenden Jahren ein neuer, lebenswerter Stadtteil. Insgesamt werden rund 1.400 Wohnungen mit Nahversorgung und sozialer Infrastruktur, 70.000 Quadratmeter Gewerbefläche sowie viel Grünraum entstehen. 1.000 Wohneinheiten werden unter dem Motto „Junges Wohnen“ von der Stadt Wien gefördert.

Strategisches Flächenmanagement zur Ressourcenschonung

Mit der Nachnutzung ehemaliger Industrieareale geht Wien einen Weg entgegen der bundesweiten Entwicklung: Denn durchschnittlich werden in Österreich jeden Tag rund 13 Hektar Grün- und Ackerland verbaut. Und das obwohl landesweit rund 40.000 Hektar Industrieareale brachliegen, das entspricht der Gesamtfläche Wiens. „Brachliegende alte Standorte wieder zu nutzen, hat Vorrang vor der Ansiedlung auf der grünen Wiese“, betont Karl Kienzl. „Das ist ein zentrales Element eines strategischen Flächenmanagements und eine wichtige Zukunftsaufgabe im Umgang mit der begrenzten Ressource Boden.“

Für die Umsetzung des Vorhabens hat die Grundeigentümerin Wiener Netze GmbH mit der WSE Wiener Standortentwicklung GmbH eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft, die Neu Leopoldau Entwicklungs GmbH, gegründet. Ziele waren die Abwicklung des bis dahin größten kooperativen Planungsverfahrens, des Umwidmungsverfahrens und eines Bauträgerwettbewerbs. Das definierte Projektgesamtziel, die Entwicklung und Verwertung des Großteils der Flächen, konnte damit erfolgreich realisiert werden. In der Planung wurde auch auf die umweltrelevanten Aspekte, die sich aus der Vornutzung des Areals ergeben, intensiv eingegangen.

Altlast gesichert: Umfangreiche Maßnahmen gesetzt

Die „Altlast“ Gaswerk Leopoldau gilt laut Umweltbundesamt seit 2013 als gesichert. Zahlreiche Bodenuntersuchungen seit den 90er-Jahren gingen den Planungen für die künftige Nutzung voraus. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde durch Umschließung des Kontaminationszentrums mit einer 1,3 Kilometer langen Doppelkammerdichtwand sowie durch die Herstellung einer Sperrbrunnenreihe im Abstrom zur Fassung kontaminierter Wässer der Altstandort abgesichert. Außerdem wurden eine Wasseraufbereitungsanlage sowie Versickerungsbrunnen errichtet und rund 70.000 Tonnen Erdreich ausgetauscht.

Uneingeschränkte Wohn- und Freizeitnutzung geschaffen

Im Sommer 2017, nach der endgültigen Definition der künftigen Bebauung der verschiedenen Bauplätze, hat die Neu Leopoldau Entwicklungs GmbH das Umweltbundesamt beigezogen. ExpertInnen des Umweltbundesamtes haben die potenzielle Gefährdung für Mensch und Umwelt durch die geplante Nutzung bewertet und Empfehlungen für ergänzende Baumaßnahmen abgeleitet.

Die nun vorliegenden Analyseergebnisse zeigen laut Kienzl, dass große Teile des Areals wie geplant ohne weitere Maßnahmen genutzt werden können. „Bei konsequenter Umsetzung von einfachen technischen und organisatorischen Maßnahmen ist für das gesamte Entwicklungsgebiet eine gute Umweltqualität gegeben, und die erforderlichen Voraussetzungen für uneingeschränkte Wohn- und Freizeitnutzungen können geschaffen werden.“

Konkret empfiehlt das Umweltbundesamt Maßnahmen zum Bodenaustausch in jenen Bereichen, in denen Garten- und Freizeitanlagen vorgesehen sind. Zur Einhaltung des Sicherheitsmanagements wird das Umweltbundesamt alle Errichtungsphasen begleiten. Gleichzeitig erfolgt durch das Umweltbundesamt eine Imissionsüberwachung. Ziel ist es, mögliche Auswirkungen auf die Umgebung und AnrainerInnen während der Bauphase zu minimieren.

Lückenlose Begleitung des Projekts durch das Umweltbundesamt

Besonders erfreulich ist, dass das Umweltbundesamt in seiner Empfehlung viele der bereits gesetzten oder fix eingeplanten Maßnahmen bestätigt: „Unsere Planungen haben im Zuge der Hochbautätigkeiten und der damit einhergehenden Aushubtätigkeiten einen großflächigen Austausch des Bodens vorgesehen. Nach Abschluss der Hochbautätigkeiten erfolgt die Gestaltung der Außenflächen zwischen den Baukörpern und die Ausgestaltung des in Summe über 8.000 m² großen Parks. Dabei kommt es ebenfalls zum Bodenaustausch. Nach Beendigung des Projektes kann davon ausgegangen werden, dass die gesamte Oberfläche im Gebiet – natürlich nach den Vorgaben des Umweltbundesamts – neu hergestellt und ausgetauscht wurde“, versichert Weinelt.

Eine Verwendung des Grundwassers war immer schon ausgeschlossen (Neu Leopoldau wird, wie die ganze Stadt, ohnehin mit bestem Wiener Hochquellwasser versorgt), die Begleitung der Neubautätigkeiten durch chemische Bauaufsichten auf den jeweiligen Bauplätzen, die zentral koordiniert werden, sowie durch das Umweltbundesamt war in der gesamten Planung vorgesehen.

Weinelt, als Geschäftsführer der Wiener Stadtwerke für die Mehrheitseigentümerin Wiener Netze zuständig, ging auch auf weitere Vorzüge des Projekts ein, etwa das innovative Mobilitätskonzept „LeoMobil“. LeoMobil versorgt alle BewohnerInnen im gesamten Wohngebiet mit einem breiten Mobilitätsangebot zur gemeinschaftlichen Nutzung per App. So wird der neue Stadtteil nicht nur unter, sondern auch über der Erde in jedem Sinn (verkehrs-)beruhigt.