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Wirtschaftsmotor Wiener Stadtwerke

Geschäftsbericht 2009

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Wirtschaftsmotor Wiener Stadtwerke

Generaldirektorin Payr und Vizebürgermeisterin Brauner

Weil Arbeitslose nicht nur ein gesellschaftspolitisches Unglück, sondern auch ökonomisch sehr teuer sind, investiert Wien lieber kräftig in die Infrastruktur. 2009 wurde die Rekordsumme von 1,810 Milliarden Euro aufgewendet. Als größtes Wiener Unternehmen (16.000 Mitarbeiter) leisten aber auch die Wiener Stadtwerke ihren Teil zur Bekämpfung der Krise. Insgesamt werden die Stadtwerke in den nächsten fünf Jahren die gigantische Summe von 4,4 Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur investieren.

Ein Interview mit Wiener Stadtwerke Generaldirektorin Gabriele Payr und Vizebürgermeisterin Renate Brauner.

Wenn man durch Wien geht, sieht man keine Anzeichen einer Wirtschaftskrise. Ein trügerisches Gefühl?

Brauner: Es wäre vermessen zu sagen: Die Krise geht uns nichts an. Aber es ist in Wien mit vereinten Kräften gelungen, dass die Arbeitslosigkeit geringer gestiegen ist als im restlichen Österreich. Und jetzt geht sie nochmals zurück. Jubeln möchte ich aber noch nicht, denn meiner Meinung nach ist die Krise noch nicht vorbei. Es könnten noch weitere Herausforderungen auf uns zukommen. Aber ich denke, dass unser Wiener Weg, nämlich gemeinsam gegen die Krise anzukämpfen, der richtige ist. Ich warne aber davor zu sagen: „Die Krise ist vorbei. Jetzt wird nur mehr gespart, gespart und gespart." - weil dann sparen wir uns unweigerlich in die nächste Krise hinein.

Die Wiener Stadtwerke haben ja auch enorm viel investiert. Geht sich das mit dem Budget aus?

Payr: Es gibt zwei Quellen, die uns ermöglichen, jetzt viel Geld in die Hand zu nehmen. Das eine sind die Einnahmen aus unserem Geschäft. Unsere Liquiditätslage ist so hervorragend, dass wir jederzeit von den Banken Geld bekommen würden. Wir haben aber - Gott sei Dank -keine Mittel aufnehmen müssen. Denn wir schauen eben, dass wir in wirtschaftlich guten Zeiten immer Rücklagen bilden, um dann ausgleichend wirken zu können, wenn die Wirtschaft ein bisschen nachlässt. Das zweite ist, dass uns bei den Ausgaben für den Ausbau der Wiener Linien natürlich die Stadt durch ihre Investitionsförderprogramme sehr hilft. Da sind auch viele Maßnahmen dabei, die sehr rasch umgesetzt werden können und die gerade der lokalen Wirtschaft etwas bringen.

Der Nachtbetrieb der U-Bahnen ab September schafft ja auch Arbeitsplätze, oder?

Payr: Natürlich, insgesamt werden jeweils etwa 200 MitarbeiterInnen der Wiener Linien in den Wochenend-, Nächten im Einsatz sein.
Wird sich das irgendwann auf den Fahrpreis niederschlagen?
Payr: Nein, sicher nicht, denn beim Nachtbetrieb greift uns die Stadt unter die Arme. Es ist uns aber jahrelang gelungen, die Fahrpreise stabil zu halten, ohne die Qualität einschränken zu müssen.

Wie schafft es Wien zu investieren, ohne dass das Budget explodiert?

Brauner: Zunächst einmal muss man wissen, dass unsere Einnahmen durch die Wirtschaftskrise eingebrochen sind. Die Stadt Wien finanziert sich ja etwa zur Hälfte aus dem, was gemeinschaftliche Bundesabgaben heißt. Das sind jene Steuern die sämtliche Ebenen des Staates finanzieren. Und die hängen natürlich direkt mit der Wirtschaftsentwicklung zusammen. Im Vorjahr waren diese Einnahmen um 400 Millionen geringer und nach den Prognosen ist damit zu rechnen, dass sie heuer genauso niedrig oder noch geringer sein werden. Die müssen wir natürlich finanzieren - aber unsere Ausgaben halten wir weiterhin stabil! Die Stadt Wien hat bei den Banken ein sehr gutes Rating, weil wir - im Gegensatz zu anderen Bundesländern - in wirtschaftlich guten Zeiten unsere Schulden zurückgezahlt haben. Wien ist eben eine sehr sparsame Stadt - wir haben jetzt noch weit weniger Schulden als die anderen Bundesländer und ihre Gemeinden und vor allem deutlich weniger Schulden als der Bund. Unsere pro Kopf Verschuldung liegt bei etwa 1.100,- Euro, die des Bundes bei 20.000,- Euro. Das zeigt jedenfalls, dass Wien sehr gut wirtschaften kann.

Die Investitionen sollen ja nachhaltig sein. Wie ist das zu verstehen?

Payr: Nachhaltig sind beispielsweise alle Investitionen im Verkehrsbereich. Die neue U-Bahn wird noch Jahrzehnte fahren. Genauso nachhaltig sind Investitionen in die Sicherheit der Energieversorgung, wenn wir etwa ein altes Kraftwerk wieder so auf Vordermann bringen, dass die Energieeffizienz deutlich verbessert wird. Das sind Investitionen, die halten Jahrzehnte. Es ist aber auch ökonomisch vernünftig, das in wirtschaftlich eher schlecht gehenden Zeiten zu machen. Denn in Krisenzeiten bekommen wir viele Leistung günstiger. Ganz einfach weil die Unternehmen uns Bestpreise anbieten, um ihre Mitarbeiter halten zu können. So gewinnen alle Beteiligten.